Wahrsagerei wird seit jahrtausenden von Jahren ausgeübt. Menschen haben sich schon immer danach gesehnt zu wissen was die Zukunft bingt. Wer möchte nicht einen kurzen Blick – wenn auch nur ein paar Momente – vom kosmischen Plan erhaschen um zu sehen ob unser Schicksal ein wunder- oder grauenvolles ist?

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Können Wahrsager die Zukunft wirklich sehen, vorhersagen?

Einige der Methoden um die Zukunft vorherzusagen sind einfach nur bizarr. Bei Gelomantie beispielsweise lauscht man hysterischem Gelächter (und sogar Tierlauten) um Hinweise über die Zukunft zu bekommen. Diejenigen, die Felidomantie praktizierten, behaupteten die Zukunft deuten zu können indem sie Katzen beobachten. Jeder weiß, dass es Unglück bedeutet, wenn eine schwarze Katze deinen Weg kreuzt, aber wussest du, dass Niesen die Art und Weise einer Katze ist um Regen vorherzusagen?

Tierliebhaber werden nicht allzu erfreut sein, aber bei einer früher angewendeten, beliebten Methode der Wahrsagerei, genannt Haruspizium, schneidet jemand ein kürzlich geschlachtetes Tier auf und weidet es aus um zu sehen ob die blutigen Innereien irgendwelche Symbole bilden, die auf mögliche bevorstehende Ereignisse hinweisen könnten.
Numerologie, Phrenologie und Handlesen
Viele glauben, dass der Name einer Person (oder sogar die Anzahl der Buchstaben in einem Namen) bedeutsame Hinweise darüber enthält was die Zukunft bringen könnte. Eine Form der Wahrsagerei besagt, dass die Einbuchtungen des Schädels nicht nur die Persönlichkeit, sondern tatsächlich auch die Zukunft einer Person genau vorhersagen können. Diese „Wissenschaft“ der Phrenologie war keine schräge Randerscheinung, sondern extrem beliebt selbst unter gut gebildeten Amerikanern und Europäern des 18ten Jahrhunderts.
Es gibt einige hunderte in Verruf gerratene (und offensichtlich absurde) Methoden der Wahrsagerei. Viele gleichermaßen merkwürdige Techniken werden heute noch ausgeübt, einschließlich Numerologie, dem Deuten von Teeblättern, Befragen von Tarotkarten und dem Untersuchen der Linien auf der Hand einer Person.

Traumdeutung

Über Jahrtausende hinweg wurden Träume allgemein als eine Methodik der Wahrsagerei verwendet, und es gibt eine gut gedeihende Heimindustrie an Büchern, DVDs, und Wahrsagern, die behaupten deine Zukunft vorhersagen zu können indem sie deine Träume interpretieren.

Wenn du zum Beispiel von einem Dachboden träumst, dann bedeutet das, dass du eine wichtige Freundschaft auffrischen wirst, und von Walnüssen zu träumen deutet auf Verluste und finanziellen Ruin hin. (Wenn du wiederholt davon träumst Walnüsse auf dem Dachboden mit einem wichtigen Freund zu essen und du gleichzeitig Geld verlierst, dann solltest du dir vielleicht einen Theratpeuten suchen.)

 

Die Psychologie der Wahrsagerei

Egal welche Gestalt Wahrsagerei annimmt, der grundlegende Prozess ist der gleiche: man sucht in willkürlichen Strukturen und Phänomenen Bedeutung. Ein im Wesentlichen zufälliges Ereignis wird in der Natur beobachtet (Tierlaute werden produziert, Träume werden aufgezeichnet) oder wird hervorgerufen (Teeblätter werden umgerührt, Karten werden gemischt) und Leute untersuchen die Ergebnisse ganz genau und versuchen einen Sinn oder Bedeutung in ihnen zu erkennen. Das menschliche Gerhirn ist sehr gut darin Bedeutung in etwas zu finden (oder zu erfinden) selbst wenn es keine gibt, wie etwa zufällige Strukturen. Das ist der Grund weshalb Menschen Gesichter oder andere Bilder in Wolken, Rohrschachklecksen und Kaffeefleken erkennen. Dieses Phänomen, Pareidolie genannt, ist wohlbekannt in der Psychologie.

 

Der Wahrheitsgehalt der Wahrsagerei
Funktionieren irgendwelche dieser Wahrsagerei-Methoden? Leider nicht, und es ist nicht schwierig diese Frage auf die Probe zu stellen. Wahrsager konnten nicht den Terrorangriff vom 11. September, den kürzlichen Wirtschaftseinbruche, den Tsunami und die Kernschmelze in Japan 2011, und unzählige andere wichtige Weltereignisse phrophezeien, was unschuldige Leben hätte retten können wenn diese richtig vorhergesagt worden wären.
Das offensichtlichste Problem ist, dass verschiedene Wahrsagerei Methoden einander (und sich selbst) die Glaubhaftigkeit nehmen indem sie inkonsistente und widersprüchliche Vorhersagungen machen. Es unterscheiden sich die Antworten nicht nur je nach Methode, sondern sind auch von Befragung zu Befragung der selben Zeichen unterschiedlich. Zwei Tarotkarten oder Deutungen von Teeblättern, die nur einige Minuten auseinander liegen, mit ein und derselben Person, welche haargenau die gleiche Frage über die Zukunft stellt, sollten die gleiche Antwort liefen – tun sie aber nicht.
Wenn du wissen möchtest, ob dir womöglich etwas passieren könnte, dann ist die Antwort immer „Ja“. Wenn du wissen möchest, ob etwas eintreffen wird, dann ist die Zukunft immer unklar.
Angenommen jemand möchte beispielsweise wissen, ob er in den nächsten 10 Jahren nach Paris ziehen wird, oder ob der derzeitige Präsident für die nächste Amtszeit wiedergewählt werden wird. Wenn irgendeine dieser Wahrsagerei-Methoden funktionieren würde, dann sollten alle dieselbe Antwort parat haben; es sollte keinen Unterschied machen, ob du ein Medium befragst, Tarotkarten liest, oder eine handvoll Blumenblüten auf den Boden streust und nach Rat suchst. Die Antworten sollten alle dieselben sein, da du ja entweder nach Paris ziehen wirst oder nicht, oder der Präsident wiedergewählt werden wird oder nicht. Stattdessen sind die Antworten oft nichts mehr als reiner Zufall (was in diesen Beispielen sowieso eine 50/50 Chance ist). Das ist auch der Grund weshalb eine Person 10 verschiedene Medien beratschlagen und 10 verschiedene Antworten über die Zukunft bekommen kann. Wenn die Wahrsagerei Methoden so fehlbar und so unbeständig sind, warum sollte man sie dann überhaupt verwenden?
Es wirft auch eine andere Frage auf: wenn irgendeine dieser Methoden wirklich funktionieren würde, warum gibt es dann so viele? Warum hält man sich dann nicht an eine bewährte, verlässliche Methode, anstatt buchstäblich hunderte andere Wahrsagerei-Mittel zu konstruieren? Wenn das Deuten von Teeblättern wissenschaftlich erwiesen eine genauere Methodik wäre die Zukunft vorherzusagen, als beispielsweise das Blicken in Kristalle oder Befragen von Tarotkarten, dann würde man selbstverständlich die Methode verwenden die funktioniert. Stattdessen sind aber alle Wahrsagerei-Methoden gleichartig aussagekräftig (oder nicht aussagekräftig), da sich alle auf die fehlerhafte Voraussetzung stützen, dass das Erkennen von Bedeutung in willkürlichen Phänomenen das Schicksal prophezeit.
Selbst einige Bücher, die von Wahrsagerei handeln, geben zu, dass die Techniken nicht zuverlässlich sind; eine „Anmerkung an den Leser“ im Vorwort des Buches „The Complete Book of Fortune“ besagt, dass „wenn man versucht sein Schicksal mittels irgendeiner Art von Wahrsagerei zu erkennen, dann müssen die Ergebnisse als ein Indiz dafür was passieren könnte aufgefasst werden, und dürfen nicht als beweiskräfige Tatsache dafür was eintreten wird verstanden werden.“

 

Freier Wille vs. Determinismus.
Viele Menschen, die an Wahrsagerei glauben, sehen nicht ein, dass sie eine der fundamentalen Fragen der Philosophie beantwortet hätten, die des freien Willen vs. Determinismus, wenn sie recht hätten. Viele Leute würden bevorzugen zu glauben, dass sie ihre eigenen Handlungen kontrollieren und ihre eigenen Entscheidungen im Leben treffen; aber die Fähigkeit von irgendjemandem die Zukunft zu erkennen beweist, dass sie falsch liegen. Entweder gibt es „eine Zukunft“, die man weissagen kann (oder zumindest ein Fünkchen Wissen darüber) und somit ist unsere Zukunft vorbestimmt, oder die Zukunft ist unvorhersehbar and unsicher. Logischerweise kann man sein Schicksal nicht beeinflussen, wenn die Zukunft vorhersehbar ist. Man muss kein Medium oder einen Wahrsager aufsuchen, der sich eine mögliche, potentielle Vision von etwas ausdenkt, was dir widerfahren oder nicht widerfahren wird. Jeder kann das; wenn du wissen willst ob dir möglicherweise etwas Gutes oder Schlechtes – angefangen damit einem großgewachsenen, dunklen Fremden zu begegnen, bei einem Flugzeugabsturz umzukommen oder im Lotto zu gewinnen – widerfahren könnte, dann ist die Antwort immer „Ja“. Wenn du wissen möchtest, ob dir diese Dinge zustoßen werden, so bleibt die Zukunft doch – so wie immer – unklar.