Usog oder Balis ist ein filipinischer Aberglaube bei dem Erkrankungen oder psychische Leiden dem Gruß eines Fremden zugeschrieben werden, oder dem Fluch eines „bösen Blickes“. Normalerweise betrifft dies ein ahungsloses Kind, meist ein Baby oder Kleinkind, das von einem Besucher oder Fremden gegrüßt wurde.

Usog Volkstümlicher, Filipinischer Aberglaube Beispiele, Symbole, Bedeutung

Usog Volkstümlicher, Filipinischer Aberglaube Beispiele, Symbole, Bedeutung

In einigen beschränkten Gebieten wird gesagt, dass der Zustand auch dadurch verursacht wird, dass der Fremde mit seinem „bösen Auge“, oder „masamang mata“ auf Tagalog, auflauert. Das könnte auch durch den Einzug der Spanier beinflusst worden sein, die schon seit Langem an den mal de ojo Aberglauben glaubten.

Wenn das Kind erst einmal davon betroffen ist, dann bekommt es Fieber und manchmal Krämpfe. Es wird angenommen, dass das Kind geheilt werden kann indem man seine Kleidung in heißes Wasser taucht und diese kocht. In den meisten anderen Orten wird der Fremde oder Neuankömmling gebeten etwas von seinem Speichel auf den Bauch, die Schulter und die Stirn des Babies zu geben bevor er das Haus verlässt, um den Effekten von „usog“ entgegenzuwirken. Der Fremde geht dann während er sagt: „ Pwera usog…pwera usog…“ Der Speichel wird zuerst auf den Finger platziert, um ihn dann über den Bauch und die Stirn des Babies zu reiben. Der Fremde darf das Kind niemals ablecken. Das Ritual läuft so ab, dass der Fremde oder Besucher aufgefordert wird seinen oder ihren Finger mit Spucke zu befeuchten und damit den Körper, Arme und Füße („lawayan“) des Kindes zu berühren um zu verhindern, dass das Kind überwältigt wird („upang hindi mausog“).

 

Mögliche wissenschaftliche Erklärung

Usog ist noch nicht medizinisch anerkannt. Allerdings beschreibt eine Theorie usog als das Leiden eines Kindes, das zu größerer Anfälligkeit für Unwohlsein und Erkrankung führt. Es gibt Beobachtungen, dass ein Fremder (oder Neuankömmling oder sogar ein besuchender Verwandter), besonders jemand mit einer starken Persönlichkeit (körperlich groß, wild, streng riechend, herrisch etc.) ein Kind schnell in Stress versetzen kann. Deswegen sagt man, dass das Kind „überwältigt“ oder nauusog ist und Angst hat, Fieber bekommt, krank wird, etc.

Bei usog ist das Unwohlsein des Kindes die Konsequenz davon, dass das Kind sich nicht an Veränderung anpassen kann. In medizinischen Ausdrücken ist dies die Folge von einer Störung der Homeostase durch physische oder psychische Anreize, die durch Fremde bewirkt werden. Im Prinzip resultieren die Beschwerden aus der Interaktion zwischen Kind und Umfeld, die das Kind einer schmerzhaften Diskrepanz aussetzen, echt oder imaginär, mit den Forderungen der Situation auf der einen Seite und den sozialen, biologischen, oder psychologischen Quellen auf der anderen Seite. Die stresserregenden Reize für das Kind können mental (der Fremde wird als eine Bedrohung, bösartig und fordernd aufgefasst), physiologisch (laut und/oder hohe Stimme des Fremden, die dem Kind im Ohr schmerzt; starker Geruch des Fremden, der die Nase des Kindes reizt), oder physisch (der Fremde hat schwere Hände oder beansprucht zu viel Platz). Die Geste des Fremden seinen Finger sanft mit seinem Speichel auf den Armen, Füßen, oder irgendeinem anderen bestimmten Körperteil des Kindes zu platzieren, könnte ihn mehr mit dem Kind vertraut machen, und deshalb den Stress reduzieren, wenn nicht sogar eliminieren. Während der Fremde sanft „Pwera usog…pwera usog…“ wiederholt, wird dem Kind das Gefühl gegeben und versichert, dass ihm nichts passiert. Man sagt, dass dem usog entgegengewirkt wird, da verhindert wird, dass das Kind einer Krankeit unterliegt, da es sich nicht mehr unwohl fühlt. In Übereinstimmung mit Beobachtungen und Theorien sind Kinder, oder sogar Erwachsene, die schüchtern sind oder eine schwache Persönlichkeit haben, anfälliger für usog. Einige haben sogar mitangesehen wie es vorkam, dass das Loben eines schüchternen Kindes von einem Verwandten auf Besuch usog auslösen kann.

Die Spucke des Fremden, angenommen dass er oder sie gesund ist und eine regelmäßige Mundhygiene praktiziert, ist relativ rein und enthält genug antimikrobielle Inhaltsstoffe, wie Lactoferrin, Lactoperoxidase und Immunoglobulin A, welche dabei helfen können Erreger beim Kind zu entfernen und das Kind gegen Infektionen schützen kann.
Wenn auch nicht so üblich, kann usog auch Erwachsene betreffen, und eher Erbrechen und Bauchschmerzen als Fieber hervorrufen. Man nimmt an, dass es verhindert werden kann indem man den Fremden oder Besucher davon abhält die Person zu grüßen.